Catalogue
 

Boîte à trésors et cartes postales électroniques
(en allemand)

 

Katzenständchen am Hundeball  

Ein Katzenständchen am Hundeball

 

Im Jahr 1928 ist im Rotapfelverlag unter dem Titel Das Hundefest ein Bilderbuch mit Texten und Bildern aus der Werkstatt des Malers und Malerpoeten Ernst Kreidolf (9. Februar 1863-12. August 1956) erschienen. Die Hunde laden zum grossen Fest. Aus Stadt und Land strömen sie zusammen, alle Rassen sind vertreten, keiner soll zu Hause bleiben. Sie veranstalten Wettspringen, tollen im Schnee, fahren mit dem Karussell und schmausen und schnabulieren, was das Zeug hält. Das tolle Fest, dessen Höhepunkt ein Hundeball darstellt, dauert die ganze Nacht hindurch. Selbst die Katzen lassen es sich nicht nehmen, sie spielen den Hunden mit einem Ständchen zum Tanze auf (vgl. N Ernst Kreidolf 60 (1)).

Mit seinen ab 1897 in dichter Folge erscheinenden Bilderbüchern, die in einzigartiger Weise Pflanzen und Tiere in anthropomorpher Gestalt auftreten lassen, erlangte Ernst Kreidolf im gesamten deutschsprachigen Raum Berühmtheit. Das neuartige Verständnis der kindlichen Seele, welches sich im Werk Kreidolfs manifestiert, hat die Welt der Bilder- und Kinderbücher nachhaltig beeinflusst.

 

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Das Siegel der wahren Schweizer  

Das Siegel der wahren Schweizer

 

Bekanntlich war Albrecht von Hallers Enkel Karl Ludwig von Haller ein vehementer Gegner der Französischen Revolution und ein unermüdlicher Verfechter der Restauration. Während seines Exils in Wien beauftragten ihn dementsprechend im Juni 1801 Mitglieder der vorrevolutionären Regierungen von Zürich, Bern und Solothurn mit der Vertretung ihrer Interessen am kaiserlichen Hof.


Interessant ist dabei das auf den Beglaubigungsschreiben (vgl. N Karl Ludwig von Haller 1 (31)) verwendete Siegel: Es zeigt einen idealtypischen "Alten Eidgenossen" mit der Urne des im Exil verstorbenen letzten Berner Schultheissen des Ancien Régime, Niklaus Friedrich von Steiger. Besonders vielsagend ist die Selbstbezeichnung dieser reaktionären Aristokraten auf dem Siegel: "Les vrais Suisses réunis" - Die wahren Schweizer, das sind wir!

 

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Falkenhorst im Schweizerischen Robinson  

Der Falkenhorst

Illustration aus dem sogenannten Schweizerischen Robinson, um 1800 (FA Wyss 125.4, nach S. 348)

Der Berner Münster-Pfarrer Johann David Wyss (1743–1818) schrieb in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts ein Erziehungsbuch für seine vier Söhne, das der Unterhaltung und Belehrung im engsten Familienkreise dienen sollte. In dieser Robinsonade in der Tradition von Daniel Defoes «Robinson Crusoe» (1719) oder Joachim Heinrich Campes «Robinson der Jüngere» (1779) waren Johann David Wyss und seine Familie Vorbild für die Hauptakteure der fiktiven Handlung. Sie beschreibt das Leben auf einer einsamen Insel vermutlich vor der Südwestküste Neuguineas nach einem Schiffbruch über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Manuskript-Bände wurden zum grössten Teil vom zweitjüngsten Sohn des Autors, (Johann) Emanuel Wyss (1782–1837), illustriert. Zu sehen ist das Baumhaus, das der Familie als Unterkunft diente und Schutz vor wilden Tieren und der brennenden Sonne bot.

 

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Bohrturm im Gasterntal  

Bohrturm im Gasterntal, 1908

Fotografie von Jean Moeglé (1853-1938)
Historische Sammlung Krebser 111/15

Kurz nach Baubeginn stürzte auf der Nordseite der Lötschbergtunnel ein; der heftige Wassereinbruch kostete 25 Arbeitern das Leben. Um nicht noch weitere Einbrüche zur riskieren, beschloss die BLS, den Tunneleingang bei Kandersteg zu verlegen. Als Folge davon fanden im Gasterntal 1908-1909 Sondierbohrungen statt, welche Jean Moeglé im Auftrag der BLS dokumentierte. Der hier abgebildete Bohrturm stand bei Waldhaus; der Blick geht Richtung Osten, im Hintergrund links ist das Doldenhorn sichtbar.
Der in Thun ansässige Jean Moeglé war um die Jahrhundertwende der renommierteste Fotograf im Berner Oberland. Zu seinen Spezialitäten zählten sorgfältig inszenierte Portraits und technisch hochstehende Innenaufnahmen. Er war auch ein Pionier der Farbfotografie. Ein Teil seiner Fotografien ist im Online-Katalog der Burgerbibliothek publiziert.

(Literatur: Burgerbibliothek Bern (Hg.): Der Berner Fotopionier Jean Moeglé. Berge, Hotels und Salons. Bern 2012)

 

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Schleiereule statt Maya-Kalender  

Schleiereule statt Maya-Kalender

Das seltzame Vogel-Gschrey, oder: Kurtz Ausslegung über die jenigen Stein-Keützlin, so zu Bern in der grossen Kirchhof-Mauren seynd gefangen worden, Zu finden bey Hanss Rudolph Grimm, Buchbinder und Trompetter zu Burgdorff, 1714 (Druck, Mss.h.h.XVI.99 (3), Titelbild)

In Mitteleuropa hat die Schleiereule seit dem Mittelalter und bis vor wenigen Jahrzehnten in der bäuerlich geprägten Kulturlandschaft sehr gute Lebensbedingungen vorgefunden. 1711 kam offenbar selbst die Stadt Bern noch als Eulen-Biotop in Frage, jedenfalls wurden in der Stützmauer der Münsterplattform nicht gemeine Vögel gefangen, die nach dem Titelbild und der Beschreibung im oben genannten Heftchen eindeutig Schleiereulen waren. Doch scheinen sie nicht als solche erkannt worden zu sein – das gibt der Verfasser zumindest vor. Während der Titel die Eulen noch als Steinkauze identifiziert, hebt der Text die Unterschiede zu Kauzen hervor und präsentiert das Wunder der Natur als beunruhigende Anomalie und unglückverheissendes Vorzeichen. Die Farben ihres Federkleids stünden u.a. für die 4 grossen Landplagen:
Der Krieg ist schon verhanden,
Theurung, die folget nach,
Jetz schon in disen Landen,
Hunger, der folgt offt gach,
Auch Pestilentz, der Todt,
Dörfft auch darzu noch kommen,
Vor Leid möcht man verstummen,
Ach Gott, rett uns auss Noth.

Und selbst für die ultimative Vorbedeutung waren die Schleiereulen gut:
Nacht-Vögel bedeuten den Feyr-Abend diser Welt.

(Weiterführende Lektüre: Sergius Golowin, Berner Märit-Poeten, Bern/Kassel 1969)

 

 

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codex  

Dekoratives Modell für Kunstfeuerwerk

Eine illustrierte Handschrift zur Schiess- und Feuerwerkskunst aus dem 17. Jahrhundert
(Cod. 7, fol. 218r)

Das Barockzeitalter war die Blütezeit der Feuerwerke. Neue Techniken ermöglichten unendliche Variationen von Effekten, die in theaterartigen Inszenierungen auf dem Wasser, auf Bühnen, in Gärten oder auf nachgebauten Schlössern bei höfischen Festen eingesetzt wurden. Anlässe für Feuerwerke waren Hochzeiten, Friedensschlüsse und Krönungen der Landesobrigkeit, die damit auch ihre absolutistische Macht und ihren Reichtum zur Schau stellten. Anleitungen für die Einrichtung und Anregungen für Themen und Motive für Feuerwerke fanden sich in sogenannten Feuerwerksbüchern.

Ein beliebtes Feuerwerksmodell war der turmbewehrte Elefant. Er verkörpert das Türkische Reich, dessen Fremdartigkeit durch Elefant, Affe und schwarzen Elefantenführer betont wird. Der Elefant befindet sich im Angriff auf eine – hier nicht sichtbare – Modellburg mit Reichssymbolen. Er unterliegt im Kampf und geht in Flammen auf. Die Inszenierung erinnert an die erfolglose Belagerung Wiens durch die Türken im Jahre 1529.

 

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codex  

Rudolf Münger als Dudelsackpfeifer im Kornhauskeller

Aquarell, Nachlass Rudolf Münger, Mappe XX, 1898

Rudolf Münger (1862-1929) hat am 1. Mai 1897 den Auftrag für die dekorative Ausstattung des um ein Galeriegeschoss erweiterten Kornhauskellers erhalten. Der Berner Künstler machte sich mit einem Team von fünf Gehilfen daran, seine Entwürfe auf die Flächen der zur Verfügung stehenden Wände, Pfeiler, Gurtbogen und des Gewölbes zu malen. Als Sujets dienten ihm in erster Linie einheimische Blumen und Tiere, Trachtenmädchen, Musikantenfiguren und die Anfänge von Volksliedstrophen. Unter den Musikantenfiguren, die verschiedene Berner Künstler wie beispielsweise Ferdinand Hodler oder Philipp Ritter darstellen, hat sich Münger auch selbst verewigt, und zwar als Musikant mit einer Sackpfeife. Weitere spannende Informationen zu Rudolf Münger und der Bemalung des Kornhauskellers lassen sich in der neuen Publikation der Reihe «Passepartout» finden.

 

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codex  

Eine afrikanische Weihnacht der etwas anderen Art

Fotografie aus dem Verwaltungsarchiv des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern (VA NHB 81 (342)), ca. 25. Dezember 1927

Der Basler Kavallerieoffizier, Concoursreiter, Pferdezüchter, Fremdenlegionär und Grosswildjäger Eric Miville (1900-1967), der hier im Hintergrund posiert, war zum Jahreswechsel 1927/28 auf Safari im Grenzgebiet von Belgisch-Kongo und Uganda, wo er u.a. den bis heute im Naturhistorischen Museum Bern ausgestellten Berggorilla erlegte. Auf die Feiertage hin hatte Miville offenbar das Bedürfnis nach einem Weihnachtsbaum und entschied sich, da ein herkömmliches Exemplar wohl schwer zu bekommen war, für eine Schädelpyramide – komplett mit Stern, Engelshaar und Kerzen – als valablen Ersatz.

 

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codex  

Die Aratea des Claudius Caesar Germanicus
(Anfang 11. Jahrhundert)

Planisphärium eines antiken Sternbildzyklus
(Cod. 88, fol. 11v)

Die von Germanicus ins Lateinische übertragenen Phainomena des griechischen Dichters Aratos zählen zu den beliebtesten Bilderzyklen mittelalterlicher Klosterschulen. Ein auf den Nordpol zentriertes Planisphärium zeigt die in unseren Breiten sichtbaren Sternbilder. Speziell hervorgehoben ist der rote Zodiakalring mit den Tierkreiszeichen. Der infolge der Präzession wandernde Frühlings-Äquinoktialpunkt (Tag- und Nachtgleiche) befindet sich in der vorliegenden Darstellung noch im Sternbild Widder (heute im Sternbild Fische), was die Verwendung einer antiken Vorlage belegt.

 

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Wie die Kristalle vom Planggenstock wirklich entstanden sind…

Ansichtskarte aus dem Bestand des Postkartenverlags „Franco-Suisse“, Bern
(FI Franco-Suisse 349)

Diese Ansichtskarte wurde vermutlich für eines der Museen in Bern angefertigt, sei es für das Naturhistorische, sei es für das Alpine. Die Burgerbibliothek hatte die Gelegenheit, das gesamte Archiv des Berner Postkartenverlags „Franco-Suisse“ zu erwerben. Es umfasst den Zeitraum von 1900 bis 1978. Man erhält einen guten Eindruck davon, welche Sujets für Postkarten überhaupt in Frage kamen. Da jedoch nur produziert wurde, was sich auch verkaufen liess, fehlen Aufnahmen von Privathäusern und Ansichten der Aussenquartiere Berns fast völlig. Dafür enthält der Bestand viele Ansichten von Dörfern in der ganzen Schweiz, von denen sonst nur wenige Abbildungen existieren.

 

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Die Berner Stadtbrunnen-Chronik von Karl Howald (1796–1869)

Eine Fundgrube zur bernischen Kultur- und Mentalitätsgeschichte des 19. Jahrhunderts (Mss.h.h.XXIb.364, S. 82)

Die sechsbändige Chronik, die der Sigriswiler Pfarrer Karl Howald in den Jahren 1842 bis 1862 verfasst hat, berichtet vor der Kulisse der Brunnen Berns in Text und Bild über die Freuden und Sorgen der Stadtbewohner. Während der Markttage zu Ostern und Martini wurden etwa allerlei exotische Tiere vorgeführt. Der dereinstige Konrektor des Progymnasiums, Johann Samuel Rüetschi (1787–1861), erlebte dabei bei seinem Ritt auf einem Kamel eine unerfreuliche Szene mit einem lausenden Affen.

Dazu erschien eine Publikation in der Reihe «Passepartout».

 

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Das Vogelbuch der Familie Graviseth

Ein ornithologisches Bilderbuch aus dem 17. Jahrhundert (Mss.h.h.XV.49, fol. 139)

Der Schlossherr zu Liebegg im bernischen Aargau, Jakob Graviseth (1598–1658), liess eine Sammlung von rund 200 kommentierten Bildern mit heimischen Vogelarten anlegen. Die letzte Hauptgruppe des Vogelbuches besteht aus Darstellungen von toten, an einer Schnur aufgehängten Vögeln, welche sich an den Markt- und Vorratskammerbildern der damaligen Stillebenmalerei orientierten. Der hier abgebildete Bienenfresser (Merops apiaster) wurde im Herbst 1644 in Kaiserstuhl geschossen.

Dazu erschien eine Publikation in der Reihe «Passepartout».

 

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Äusserer Stand in Bern, Anonym (1685)

Wohl Frontispiz, mit Symbolik zur Berner «Schattenregierung» (Gr. A. 783)

Diese Darstellung des Äusseren Standes entstand im Jahr 1685. Das Aquarell stammt möglicherweise aus dem Umfeld der Malschule von Joseph Werner dem Jüngeren. Der kraftstrotzende Bär im Zentrum der Darstellung versinnbildlicht die «stolzen Jungen», die Burgersöhne, welche sich im Äusseren Stand zusammenfanden. Um die Symbole des Äusseren Standes herum zeigt ein Wappenkranz die fiktiven Landvogteien, welchen die zukünftigen Grossräte als Landvögte vorstanden. Die Familienwappen oben und unten stehen für die Träger der wichtigsten Ämter wie Schultheiss, Venner oder Stadtschreiber.

 

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Tagebuch Karl Ludwig Stettlers (1773−1858)

In vier Bänden, geschrieben 1795 bis 1803 (Mss.h.h.XLIII. 13.2)

Das getreulich geführte, illustrierte Tagebuch aus der Zeit des Übergangs schildert den Garnisonsdienst des Offiziers in Freiburg im Breisgau und die Ereignisse beim Einfall der Franzosen 1798 sowie persönliche Schicksalsschläge. Das Bild symbolisiert die unerschöpflichen Quellen poetischer Begebenheiten. Sie ergiessen sich in das bewegte Meer des Lebens, das den  Altar der Liebe mit einem lodernden Strohfeuer und den Felsen mit der ruhig brennenden Flamme der Freundschaft umspült.

 

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Regimentsbuch des Stadtschreibers Jakob Bucher (1575−1617)

Eine handgeschriebene Chronik mit einer Wappentafel als Titelbild (Mss.h.h.XII.10)

Die von Löwen flankierte Wappenpyramide Bern-Reich, überhöht von einem Medaillon mit dem Zähringer-Wappen, und die umlaufenden Hoheitszeichen sämtlicher Herrschaften des Berner Staatsgebiets versinnbildlichen dessen historischen Ursprung, seinen geografischen Umfang und den Status der freien Reichsstadt.

 

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Physiologus latinus, 9. Jahrhundert

Schule von Reims, eine der bedeutendsten karolingischen Bilderhandschriften
(Cod. 318, fol. 7r)

Der Physiologus ist eine frühchristliche Sammlung naturkundlich-allegorischer Beschreibungen, aus der die mittelalterlichen Bestiarien entstanden sind. Die Darstellung - von der Natur des Löwen - symbolisiert die göttliche Natur von Christus, der, von Gott auf die Erde geschickt, seine Göttlichkeit verborgen hat. Ebenso verwischt der Löwe mit dem Schwanz seine Spur, um die Jäger nicht auf sich zu lenken.

 

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